Unser Nervensystem mag Vertrautheit – nicht Fortschritt
Viele Menschen starten motiviert ins neue Jahr.
Weniger Kaffee, bessere Ernährung, mehr Bewegung, früher schlafen.
Die Ziele sind sinnvoll – und trotzdem scheitern sie oft schon nach wenigen Wochen.
Nicht, weil Menschen schwach sind.
Nicht, weil ihnen Disziplin fehlt.
Sondern weil sie nicht verstehen, wie unser Nervensystem auf Veränderung reagiert.
Das Nervensystem will nicht gesund – es will sicher
Unser Körper ist kein Moralwesen.
Er bewertet nicht, was objektiv gut oder schlecht ist.
Er stellt nur eine zentrale Frage:
Ist das bekannt – oder unbekannt?
Das vegetative Nervensystem ist darauf ausgelegt, Vertrautheit zu schützen.
Nicht Gesundheit.
Nicht Leistungsfähigkeit.
Nicht langfristigen Nutzen.
Was wir jahrelang tun – selbst wenn es uns schadet – fühlt sich für das System sicher an:
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viel Kaffee
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wenig Schlaf
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Zucker
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Nikotin
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Stress
-
unregelmäßige Bewegung
All das kennt der Körper.
Und bekannt bedeutet: berechenbar.
Warum gut gemeinte Veränderungen Stress auslösen
Wenn jemand plötzlich:
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den Kaffeekonsum stark reduziert
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seine Ernährung umstellt
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mehr Ballaststoffe isst
-
regelmäßiger trainiert
-
früher schlafen geht
dann fallen alte Reize weg, bevor neue Reize stabil wirken können.
Für das Nervensystem bedeutet das:
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Referenzpunkte fehlen
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Abläufe sind ungewohnt
-
Sicherheit geht kurzfristig verloren
Das äußert sich oft durch:
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innere Unruhe
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schlechteren Schlaf
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erhöhten nächtlichen Ruhepuls
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Müdigkeit
-
Gereiztheit
Viele interpretieren das als:
„Das tut mir nicht gut.“
In Wahrheit ist es:
Neu-Regulation.
Welches Nervensystem ist hier eigentlich gemeint?
Im Mittelpunkt steht das vegetative (autonome) Nervensystem.
Es steuert alles, was automatisch abläuft:
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Herzfrequenz
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Atmung
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Schlaf
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Verdauung
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Regeneration
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Stressreaktionen
Es besteht aus zwei Gegenspielern:
Sympathikus – Aktivierung, Fokus, Leistung
Parasympathikus – Ruhe, Erholung, Regeneration
Tipp zum Weiterlesen: Eine verständliche Erklärung, wie Sympathikus und Parasympathikus im Stress- und
Erholungsprozess funktionieren, findest du in diesem Artikel der Harvard Health Publishing:
👉 https://www.health.harvard.edu/staying-healthy/understanding-the-stress-response
Gesundheit entsteht nicht durch Dauerentspannung,
sondern durch einen funktionierenden Wechsel zwischen beiden.
Wenn sich Reize plötzlich verändern oder wegfallen,
gerät dieses Gleichgewicht kurzfristig aus der Spur.
Das zentrale Nervensystem (Gehirn & Rückenmark) verstärkt diese Reaktion,
ist aber selten die Ursache.
Es reagiert auf die Signale des vegetativen Systems.
Warum weniger Kaffee nicht automatisch beruhigt
Ein häufiger Denkfehler:
Weniger Stimulation bedeutet weniger Stress.
Das stimmt nur, wenn das System darauf vorbereitet ist.
War der Körper jahrelang an hohe Reize gewöhnt,
bedeutet deren plötzlicher Wegfall zunächst Unsicherheit.
Das Nervensystem bleibt aktiv,
der Ruhepuls kann steigen,
der Schlaf wird unruhiger.
Nicht, weil etwas kaputt ist –
sondern weil das System neu lernen muss,
was jetzt „normal“ ist.
Ernährung als Teil der Regulation
Auch Ernährung wirkt direkt auf das Nervensystem.
Eine erhöhte Ballaststoffzufuhr über den Tag:
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verändert die Verdauung
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stabilisiert langfristig den Blutzucker
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beeinflusst Stresshormone
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wirkt über den Darm auf das Gehirn
-
aktiviert den Vagusnerv
Langfristig ist das beruhigend und gesundheitsfördernd.
Kurzfristig kann es sich ungewohnt anfühlen,
weil der Körper mehr interne Rückmeldungen bekommt,
die erst eingeordnet werden müssen.
Nicht falsch – nur neu.
Diese Erfahrung zeigt auch, warum Ernährung nicht über Verbote funktioniert,
sondern über Verständnis und Struktur.
Genau darauf bin ich bereits in einem früheren Artikel eingegangen,
in dem es darum geht, warum weniger Essen selten die Lösung ist –
und warum ein klügerer Umgang langfristig deutlich mehr bringt:
👉 Warum du nicht weniger essen musst – sondern klüger
Warum so viele Neujahrsvorsätze scheitern
Jetzt kommt der entscheidende Punkt:
Wenn sich Veränderung unangenehm anfühlt,
greifen viele unbewusst wieder zu dem, was sie kennen:
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Kaffee
-
Zucker
-
alte Routinen
-
weniger Bewegung
Und plötzlich fühlt sich alles wieder leichter an.
Nicht, weil es besser ist.
Sondern weil das Nervensystem sagt:
„Das kenne ich. Das ist sicher.“
Der Rückfall ist keine Charakterschwäche.
Er ist eine biologische Regulationsreaktion.
Struktur schlägt Motivation
Veränderung funktioniert nicht über Willenskraft allein.
Und auch nicht über „alles auf einmal“.
Das Nervensystem braucht:
-
Reihenfolge
-
Stabilität
-
Zeit
Wer zu viele Stellschrauben gleichzeitig dreht,
überfordert nicht den Körper,
sondern die Regulation.
Fazit
Gesundheit ist kein Schalter.
Sie ist ein Prozess.
Nicht jede gute Entscheidung fühlt sich sofort gut an.
Und nicht jedes alte Muster verschwindet freiwillig.
Wer versteht, wie das Nervensystem arbeitet,
hört auf, sich selbst zu verurteilen –
und beginnt, klüger zu steuern.
Ein letzter Gedanke
Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst,
liegt das nicht an fehlender Disziplin,
sondern oft an fehlender Struktur und einer klaren Reihenfolge.
Genau dort setzt mein Personal Training und Coaching in St. Andrä-Wördern an:
nicht mit radikalen Schnitten oder kurzfristiger Motivation,
sondern mit einem durchdachten Zusammenspiel aus Training, Ernährung und Alltag
und einem realistischen Blick auf dein Nervensystem und dessen Regulation.
Wenn du deinen nächsten Schritt bewusst und nachhaltig setzen möchtest,
findest du hier alle Informationen zur Coaching-Kontaktaufnahme:
👉 Personal Training & Coaching – Kontakt aufnehmen
https://www.fullmotion.coach/kontaktaufnahme/
Kein Neustart.
Sondern ein sinnvoller nächster Schritt.
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