Warum Menschen nach einer Reha, mit einem Gelenkimplantat, nach einer Operation, bei Osteoporose oder beim späten Einstieg mehr brauchen als einen Standardplan.
„Sie sollten Krafttraining machen.“
Diesen Satz hören viele Menschen von ihrem Arzt oder Physiotherapeuten. Und grundsätzlich ist das eine gute Empfehlung.
Doch dann kommt die entscheidende Frage:
Wie soll dieses Krafttraining eigentlich aussehen?
Vielleicht hast du eine Reha abgeschlossen. Vielleicht lebst du mit einem künstlichen Knie oder einer künstlichen Hüfte. Möglicherweise liegt deine Schulteroperation schon einige Zeit zurück. Vielleicht wurde bei dir Osteoporose festgestellt und dein Arzt hat dir empfohlen, im Fitnessstudio mit Krafttraining zu beginnen.
Oder du bist über 60, warst noch nie in einem Fitnessstudio und möchtest jetzt endlich etwas für deine Kraft, deine Gesundheit und deine Selbstständigkeit tun.
Die Ausgangssituationen sind unterschiedlich. Das Problem ist jedoch häufig dasselbe:
Du weißt, dass du trainieren solltest – aber niemand zeigt dir, wie du sinnvoll beginnen kannst.
Drei Übungen – und dann?
Nach einer Physiotherapie bekommen viele Menschen noch einige Übungen für zu Hause mit. Diese Übungen hatten während der Therapie ihre Berechtigung und können auch danach weiterhin sinnvoll sein.
Aber drei Übungen ergeben noch kein vollständiges Krafttraining.
Denn dein Körper besteht nicht nur aus dem Gelenk oder Körperbereich, der behandelt oder operiert wurde. Wenn du wieder belastbarer werden möchtest, müssen auch andere Fähigkeiten berücksichtigt werden:
- Wie beweglich bist du aktuell?
- Wie stabil kannst du eine Bewegung ausführen?
- Gibt es deutliche Unterschiede zwischen der linken und rechten Seite?
- Wo weichst du einer Belastung unbewusst aus?
- Wie viel Kraft und Ausdauer bringst du momentan mit?
- Welche Bewegungen brauchst du in deinem Alltag?
- Und welche Ziele möchtest du wieder erreichen?
Vielleicht möchtest du wieder problemlos Stiegen steigen, längere Spaziergänge machen, reisen, im Garten arbeiten oder mit deinen Enkelkindern spielen. Vielleicht möchtest du aber auch wieder Tennis spielen, wandern oder einfach ohne Unsicherheit trainieren können.
Ein Trainingsplan sollte deshalb nicht nur zu einer Diagnose passen.
Er muss zum Menschen passen, der mit dieser Diagnose lebt.
„Die fünf besten Übungen für dein neues Knie“
Im Internet findest du für beinahe jedes Problem die angeblich perfekten Übungen:
„Die fünf besten Übungen für dein neues Knie.“
„Diese drei Übungen musst du bei Osteoporose machen.“
„Die beste Übung nach einer Schulteroperation.“
Meine ehrliche Antwort darauf lautet:
Diese allgemeingültigen Übungen gibt es nicht.
Natürlich gibt es Bewegungen und Trainingsformen, die grundsätzlich sinnvoll sein können. Aber dieselbe Übung kann für einen Menschen genau richtig sein und für einen anderen momentan noch nicht passen.
Zwei Menschen können dieselbe Operation hinter sich haben und trotzdem völlig unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Beweglichkeit, Kraft, Koordination, Trainingserfahrung, Begleiterkrankungen, Unsicherheit und persönliche Ziele können sich deutlich unterscheiden.
Deshalb entscheidet nicht allein der Name einer Diagnose darüber, welche Übungen du machen solltest.
Entscheidend ist, was du heute sicher und kontrolliert ausführen kannst und wie dein Training darauf aufgebaut wird.
Ein Bild auf der Maschine ist noch keine Einweisung
Du gehst also mit der Empfehlung „Krafttraining“ in ein Fitnessstudio.
Dort bekommst du möglicherweise einen vorgefertigten Trainingsplan. Vielleicht zeigt dir jemand kurz, wo du ziehen und wo du drücken sollst. Manchmal gibt es überhaupt keine persönliche Einweisung und du richtest dich nach den Bildern auf den Maschinen.
Diese Beschreibungen können eine erste Orientierung geben. Sie können aber nicht beurteilen, ob du richtig sitzt, ob die Maschine passend eingestellt ist oder ob du während der Bewegung ausweichst.
Ein Bild erkennt nicht, dass du eine Schulter hochziehst.
Ein Aufkleber sieht keinen Unterschied zwischen deinen Beinen.
Und ein Standardplan bemerkt nicht, dass du eine Bewegung zwar irgendwie schaffst, dabei aber ständig eine Schonhaltung einnimmst.
Eine Geräteeinstellung ist noch keine Trainingsbetreuung.
Gerade wenn du unsicher bist, noch nie trainiert hast oder eine besondere körperliche Vorgeschichte mitbringst, brauchst du mehr als die Information, welchen Hebel du bewegen sollst.
Du brauchst jemanden, der beobachtet, wie du dich bewegst.
Osteoporose: Die Empfehlung allein reicht nicht
Besonders häufig erlebe ich diese Lücke bei älteren Frauen mit einer Osteoporose-Diagnose.
Der Arzt empfiehlt Krafttraining im Fitnessstudio. Die Frauen möchten etwas für ihren Körper tun und nehmen diese Empfehlung ernst. Gleichzeitig waren manche von ihnen noch nie zuvor in einem Fitnessstudio.
Sie stehen dann zwischen den Maschinen und wissen nicht:
- Welche Übungen sind für mich geeignet?
- Mit welchem Gewicht soll ich beginnen?
- Wie stark darf ich mich anstrengen?
- Welche Bewegungen kann ich sicher ausführen?
- Woran erkenne ich, ob die Ausführung stimmt?
- Wie kann ich mich steigern?
Die Diagnose bedeutet nicht, dass diese Frauen zerbrechlich sind oder nicht belastet werden dürfen. Sie bedeutet aber auch nicht, dass irgendein Trainingsplan automatisch der richtige ist.
Sie brauchen einen Einstieg, der ihnen Sicherheit gibt und gleichzeitig etwas zutraut.
Denn sinnvolles Training besteht nicht daraus, einen Menschen aus Angst vor Belastung möglichst wenig machen zu lassen. Es geht darum, eine angemessene Belastung zu finden, Bewegungen sauber aufzubauen und die körperlichen Fähigkeiten Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.
Meine Arbeit beginnt meistens nach der Therapie
Ich bin kein Arzt und kein Physiotherapeut. Ich stelle keine Diagnosen und ersetze keine medizinische Behandlung.
Meine Arbeit beginnt meistens dort, wo Physiotherapie und Behandlung abgeschlossen sind und der Wiedereinstieg in ein regelmäßiges Training ansteht.
Die Therapie hat dir vielleicht geholfen, eine bestimmte Beweglichkeit zurückzugewinnen, Beschwerden zu reduzieren oder nach einer Operation wieder in Bewegung zu kommen.
Danach stellt sich die Frage:
Wie wird daraus ein Training, das dich langfristig stärker und belastbarer macht?
Genau bei diesem Übergang begleite ich meine Kunden.
Wenn es erwünscht oder erforderlich ist, kann das Training auch therapiebegleitend stattfinden. In diesem Fall orientieren wir uns an den medizinischen und therapeutischen Vorgaben und stimmen das Vorgehen entsprechend ab.
Es geht nicht darum, Therapie und Training gegeneinander auszuspielen. Beide haben ihre Aufgabe.
Die Therapie behandelt. Das Training baut darauf auf und entwickelt deine körperlichen Fähigkeiten weiter.
Auch ohne Diagnose darfst du Unterstützung brauchen
Nicht jeder Mensch, der einen begleiteten Trainingseinstieg benötigt, kommt nach einer Operation oder Therapie.
Vielleicht bist du gesund, aber über 60 und betrittst zum ersten Mal ein Fitnessstudio. Vielleicht hast du dich bisher nie mit Krafttraining beschäftigt. Oder du möchtest nach vielen Jahren wieder anfangen und fühlst dich zwischen den Geräten unsicher.
Auch dann musst du nicht zuerst ein Problem oder eine Diagnose haben, um Unterstützung zu verdienen.
Fehlende Trainingserfahrung ist keine Schwäche. Sie bedeutet lediglich, dass dir bisher niemand gezeigt hat, wie du sinnvoll trainierst.
Und dein Geburtsdatum entscheidet nicht darüber, welche Übungen du machen darfst. Entscheidend sind deine körperlichen Fähigkeiten, deine Erfahrung und deine Ziele.
Ein guter Trainingseinstieg soll dich nicht kleinhalten. Er soll dir zeigen, was bereits möglich ist, wo wir beginnen und wie du dich weiterentwickeln kannst.
Was individuelles Training wirklich bedeutet
Individuelles Training bedeutet nicht, dass jede Übung besonders kompliziert oder außergewöhnlich sein muss.
Oft sind es grundlegende Bewegungen, die passend gemacht werden:
- eine geeignete Übungsvariante
- eine sichere Ausgangsposition
- ein sinnvoller Bewegungsumfang
- eine kontrollierte Ausführung
- eine angemessene Belastung
- genügend Erholung
- und eine nachvollziehbare Steigerung
Manchmal muss eine Übung vereinfacht werden. Manchmal ist mehr möglich, als sich jemand selbst zugetraut hätte. Und manchmal ist nicht mehr Gewicht der nächste Fortschritt, sondern eine stabilere, ruhigere und kontrolliertere Bewegung.
Ein Trainingsplan ist deshalb kein fertiges Blatt Papier, das einmal ausgedruckt und anschließend monatelang unverändert abgearbeitet wird.
Er ist ein Ausgangspunkt, der sich mit dir weiterentwickeln muss.
Du brauchst keinen Plan von der Stange
Egal, ob du nach einer Reha weitertrainieren möchtest, mit einem Gelenkimplantat lebst, eine frühere Operation berücksichtigt werden muss, dir wegen Osteoporose Krafttraining empfohlen wurde oder du mit über 60 zum ersten Mal ein Fitnessstudio betrittst:
Du gehörst nicht in eine Schublade.
Du bist auch kein schwieriger Sonderfall.
Du bist ein Mensch mit einer persönlichen Geschichte, einem aktuellen körperlichen Zustand und eigenen Zielen.
Deshalb brauchst du keinen Plan, der nur zu deinem Alter oder zum Namen deiner Diagnose passt.
Du brauchst ein Training, das zu deinem Körper, deiner Erfahrung und deinem Leben passt – und dir guttut.
Wenn normales Fitnesstraining für dich nicht einfach funktioniert, beginnt meine Arbeit erst richtig.
Gemeinsam finden wir heraus, wo du heute stehst, was du dir zutrauen kannst und wie wir dein Training Schritt für Schritt aufbauen. Das Ziel ist nicht, dass du für immer von einem Trainer abhängig bleibst.
Das Ziel ist, dass du deinen Körper besser kennenlernst, Sicherheit gewinnst und langfristig selbstständig trainieren kannst.
Zwischen „Sie sollten Krafttraining machen“ und einem sicheren, selbstständigen Training liegt ein Weg. Auf diesem Weg begleite ich dich.
Du möchtest nach einer Therapie, einer Operation oder einer längeren Pause wieder mit dem Training beginnen? Oder du möchtest erstmals Krafttraining machen und weißt nicht, wie du starten sollst?
Dann vereinbare ein unverbindliches Erstgespräch mit mir. Gemeinsam klären wir, was du brauchst und ob meine Betreuung zu dir passt.
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