Das Auto bekommt regelmäßig sein Service. Beim eigenen Körper warten wir gerne, bis nichts mehr geht. Über Vorsorge, Blutbefunde und die Frage, warum ein guter Coach manchmal zuerst zum Arzt schickt.

Du bringst dein Auto zum Service, bevor der Motor raucht. Öl, Bremsen, ein Blick unter die Motorhaube – selbstverständlich. Beim eigenen Körper klingt das oft anders: „Mir fehlt ja nichts.“ Oder: „Das wird schon wieder.“ Mein persönlicher Favorit: „Um Gottes willen nicht zum Arzt – der könnte ja was finden!“ Ja, könnte er. Aber eine tatsächlich vorhandene Erkrankung entsteht nicht dadurch, dass jemand sie entdeckt.

Natürlich ist dein Körper kein Auto, und medizinische Vorsorge kein jährlicher Austausch von Verschleißteilen. Trotzdem lohnt sich die Frage, warum wir beim einen bereitwillig hinschauen und beim anderen lieber warten. In Österreich können Menschen ab 18 Jahren mit Wohnsitz im Land einmal jährlich eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen. Welche Untersuchungen darüber hinaus sinnvoll sind, besprichst du mit deinem Arzt. Es geht darum, Risiken bewusst anzugehen, ohne wahllos nach Krankheiten zu suchen. [1]

Was ein Blutbefund für dein Training bedeutet

„Der Arzt hat gesagt, meine Werte sind tipptopp.“ Das höre ich auch im Coaching. Gut so. Wenn ärztlich kein Behandlungsbedarf festgestellt wurde, muss ich als Coach nicht nach einem versteckten Problem suchen. Für unsere gemeinsame Arbeit bleiben trotzdem Fragen offen: Wie schläfst du? Wie erholst du dich? Passen Ernährung und Trainingsbelastung zu deinem Alltag und deinen Zielen?

Was wir umgangssprachlich oft „Blutbild“ nennen, ist häufig ein Laborbefund mit verschiedenen Blutwerten. Das eigentliche Blutbild untersucht die Blutzellen. Die medizinische Einordnung solcher Ergebnisse gehört zum Arzt: Ein einzelner Wert außerhalb des Referenzbereichs bedeutet nicht automatisch Krankheit; unauffällige Werte schließen umgekehrt nicht jede Erkrankung aus. Entscheidend ist der Zusammenhang mit Beschwerden, Vorgeschichte und weiteren Untersuchungen. [2]

Wenn du vorhandene Befunde mit mir teilen möchtest, können wir ärztliche Empfehlungen im Training berücksichtigen. Daraus wird aber weder eine Diagnose durch mich noch automatisch eine Einkaufsliste für Supplements. Und wenn du trotz unauffälliger Werte anhaltend erschöpft bist, gehört das noch einmal ärztlich besprochen. Meine Aufgabe ist, die richtigen Fragen zu stellen und meine Grenzen zu kennen.

Schmerzen im Krafttraining: Welche Übung hilft?

Diese Grenze wird im Studio besonders konkret. „Ist von alleine gekommen, wird von alleine wieder vergehen“ ist ein Satz, den ich dort viel zu oft höre. Ein leichtes Zwicken kann sich verändern, wenn wir die Ausführung, den Bewegungsumfang oder das Gewicht anpassen. Genau hinzuschauen gehört zu meiner Arbeit. Dass eine Bewegung danach weniger wehtut, beweist allerdings noch nicht, dass die Ursache geklärt ist.

Ungeklärte Schmerzen einfach mit mehr Ehrgeiz zu überstimmen, halte ich für eine schlechte Trainingsstrategie. Bleiben Beschwerden bestehen, kommen sie wieder oder werden sie stärker, ist eine fachliche Abklärung sinnvoll. Bei sehr starken Knieschmerzen, deutlicher Schwellung oder wenn du das Bein nicht belasten kannst, braucht es rasch ärztliche Hilfe. [3] Wie viel Belastung anschließend sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Situation ab.

Und dann kommt diese Frage, von meinen Kunden genauso wie von Menschen, die mich im Fitnessstudio ansprechen: „Franz, mir tut hier das Knie weh. Welche Übung soll ich machen?“ Meine Antwort ist bei unklaren oder anhaltenden Beschwerden ziemlich unspektakulär: „Die beste Übung ist jetzt erst einmal der Weg zum Arzt. Lass abklären, was los ist. Dann kommst du wieder, und wir schauen, welche Übungen für dich sinnvoll sind.“

Das klingt weniger aufregend als „Die drei besten Übungen gegen Knieschmerzen“. Aber allein die Stelle, auf die du zeigst, sagt mir nicht, was dahintersteckt. Knieschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben. [3] Eine Übung ist keine Diagnose. Mit einer fachlichen Einschätzung und gegebenenfalls ärztlichen oder physiotherapeutischen Empfehlungen haben wir eine bessere Grundlage, um dein Training anzupassen.

„Als Coach muss ich nicht alles behandeln können. Ich muss wissen, wann ich dich weiterschicken muss.“

Für meine Arbeit heißt das konkret: Ich stelle keine medizinischen Diagnosen und übernehme keine Behandlung. Ich unterstütze dich dabei, dein Training passend aufzubauen. Dazu gehört auch, dich an einen Arzt oder Physiotherapeuten zu verweisen, wenn die Frage außerhalb meiner Kompetenz liegt. Gutes Coaching zeigt sich eben auch darin, wann ich keine Übung empfehle.

Hinschauen bedeutet nicht, ständig mit dem Schlimmsten zu rechnen. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen: sinnvolle Vorsorge nutzen, Beschwerden ernst nehmen und die passende Fachperson einbeziehen. Wenn alles passt, umso besser. Und wenn etwas Aufmerksamkeit braucht, können wir entsprechend handeln. „Ich möchte es lieber nicht wissen“ verändert schließlich nicht deinen Körper. Nur das, was du darüber weißt.

Quellen

1. Österreichisches Gesundheitsportal: Vorsorgeuntersuchung – was wird gemacht?

2. Österreichisches Gesundheitsportal: Blutbild und Einordnung von Referenzwerten

3. NHS: Knee pain – Ursachen und Hinweise zur Abklärung