Es ist Freitagabend. Ich sitze auf unserer Veranda. Es ist angenehm warm, ruhig und eigentlich wäre genau jetzt der richtige Moment, den Abend einfach zu genießen. Stattdessen sitze ich am Laptop und schreibe diesen Blog. Claudia sitzt neben mir und scrollt durch ihr Handy.

Das Verrückte daran? Wir beide würden wahrscheinlich sagen, dass wir gerade entspannen.

Aber tun wir das wirklich?

Genau diese Frage hat mich die ganze Woche beschäftigt. Deshalb habe ich auch alle meine Reels diesem Thema gewidmet. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass wir etwas verlernt haben. Ruhe.

Sobald ein Moment frei wird, füllen wir ihn. Mit dem Handy, mit Nachrichten, einer Serie, Musik, einem Podcast oder – so wie ich gerade – mit Arbeit. Hauptsache, es passiert etwas. Und genau das Verrückte ist: Es fühlt sich sogar nach Erholung an.

Mitten in dieser Themenwoche hat mich eine Freundin auf einen aktuellen Beitrag von ORF Science aufmerksam gemacht. Darin wird über eine Studie berichtet, die zeigt, dass viele Menschen gerade in stressigen Situationen bewusst zum Internet greifen, weil es kurzfristig Erleichterung verschafft. Gleichzeitig kann genau dieses Verhalten langfristig zusätzlichen Stress fördern.

Ich musste schmunzeln. Nicht, weil ich darin etwas völlig Neues gelesen habe, sondern weil ich mich selbst sofort darin wiedergefunden habe. Der Artikel soll meine Gedanken nicht beweisen. Er hat mir aber gezeigt, dass sich auch die Wissenschaft mit einer ähnlichen Frage beschäftigt:

Greifen wir zur Ablenkung, obwohl wir eigentlich Erholung suchen?

Jetzt werden einige wahrscheinlich schmunzeln und sagen: „Na geh, Franz. Du gehst doch jeden Morgen mit Emma spazieren.“

Ja, das stimmt. Und natürlich gehe ich nicht nur wegen Emma. Ich bin Coach und weiß, wie wichtig Bewegung für unseren Körper ist. Aber ich habe im Laufe der Jahre noch etwas anderes gelernt: Diese Spaziergänge tun nicht nur meinem Körper gut, sondern auch meinem Kopf.

Zu meinen Kunden sage ich oft scherzhaft: „Ich weiß gar nicht, wer diesen Spaziergang dringender braucht – Emma oder ich.“ Je älter ich werde, desto mehr glaube ich, dass ich selbst mindestens genauso viel davon habe wie sie.

Die ersten zehn Minuten entstehen meistens mein Good-Morning-Bild oder eines meiner Reels. Danach verschwindet das Handy in meiner Tasche. Und dann beginnt der eigentliche Spaziergang. Nicht mehr für Instagram. Nicht mehr für ein Reel. Sondern einfach für mich.

Nur Emma. Nur ich. Und meine Gedanken.

Genau dort entstehen die meisten Ideen für meine Coachings, meine Blogs oder meine Videos. Nicht, weil ich krampfhaft nach Ideen suche, sondern weil mein Kopf endlich wieder Platz dafür hat.

Vielleicht liegt genau darin das Problem unserer Zeit. Wir gönnen unserem Körper durchaus Pausen. Wir sitzen auf der Couch, machen Feierabend oder fahren in den Urlaub. Aber bekommt unser Gehirn dabei wirklich die Gelegenheit, einmal nichts Neues zu verarbeiten? Oder ersetzen wir die Belastung einfach durch andere Reize?

Ich kenne die Antwort nicht. Und ehrlich gesagt glaube ich auch nicht, dass es darauf eine einfache Antwort gibt. Ich weiß nur, dass ich mich selbst immer wieder dabei ertappe.

Vielleicht haben wir uns einfach daran gewöhnt, jeden freien Moment zu füllen. Vielleicht suchen wir unbewusst ständig nach dem nächsten Reiz – nach der nächsten Nachricht, dem nächsten Video oder dem nächsten Like. Nicht, weil wir süchtig sind, sondern weil wir vergessen haben, wie sich Ruhe anfühlt.

Dabei glaube ich, dass genau dort etwas Wertvolles passiert. Nicht in der ständigen Ablenkung, sondern in den Momenten dazwischen. Dort, wo der Kopf endlich einmal leiser wird. Dort, wo Gedanken entstehen, nach denen wir gar nicht gesucht haben. Dort, wo Kreativität entsteht. Dort, wo Klarheit entsteht.

Vielleicht besteht Regeneration deshalb nicht nur aus Schlaf oder einem trainingsfreien Tag. Vielleicht beginnt sie viel früher. In einem Moment, in dem wir einfach nur dasitzen, aus dem Fenster schauen, spazieren gehen oder unserem Hund dabei zusehen, wie er in aller Ruhe die Welt entdeckt.

Ohne Handy.

Ohne Podcast.

Ohne den nächsten Reiz.

Einfach nur da sein.

Vielleicht haben wir nicht verlernt, uns zu erholen. Vielleicht haben wir nur verlernt, unserem Kopf die Gelegenheit dazu zu geben.


PS: Während dieser Themenwoche hat mich eine Freundin auf diesen interessanten Beitrag von ORF Science aufmerksam gemacht. Falls dich das Thema interessiert, kann ich ihn dir wirklich empfehlen:

👉 https://science.orf.at/stories/3236691/