Das ist einer der Sätze, die ich im Fitnessstudio regelmäßig höre. Meist dann, wenn ich jemanden auf eine Übung anspreche oder nach seinem Trainingsziel frage. Und genau das tue ich fast immer zuerst. Nicht weil ich höflich sein möchte, sondern weil ich gar nicht beurteilen kann, ob etwas sinnvoll oder unsinnig ist, solange ich das Ziel dahinter nicht kenne.
Warum machst du das so?
Nehmen wir den Deadlift. Ein Powerlifter möchte möglichst viel Gewicht bewegen. Ein Bodybuilder möchte Muskulatur aufbauen. Eine 60-jährige Wiedereinsteigerin möchte ihren Rücken kräftigen und möglichst lange mobil bleiben. Alle machen vielleicht dieselbe Übung, aber nicht zwingend auf dieselbe Art.
Deshalb ist die Frage für mich selten: „Ist das richtig?“ Viel häufiger frage ich: „Warum machst du das so?“
Genau hier beginnt nämlich der Unterschied zwischen Training und bloßer Bewegung. Im Fitnessstudio wird oft schnell geurteilt. Zu schnell. „Das ist falsch.“ „So macht man das nicht.“ „Das habe ich auf Instagram anders gesehen.“ Dabei gibt es selten nur eine richtige Lösung. Körperbau, Beweglichkeit, Verletzungsgeschichte und Trainingsziel spielen eine Rolle. Was für den einen perfekt funktioniert, kann für den anderen ungeeignet sein.
Wer Fortschritt ausschließlich über mehr Gewicht definiert, übersieht oft viele andere Formen der Verbesserung. Darüber habe ich bereits im Artikel „Was ist Progress?“ geschrieben.
Erfahrung ist kein Qualitätsmerkmal
Trotzdem gibt es einen Satz, bei dem ich immer hellhörig werde:
„Das habe ich immer schon so gemacht.“
Nicht weil die Person automatisch falsch trainiert. Sondern weil dieser Satz oft bedeutet, dass seit Jahren nichts mehr hinterfragt wurde. Und genau das ist gefährlich. Denn etwas lange zu machen ist kein Beweis dafür, dass es optimal ist.
Mehr Gewicht, mehr Wiederholungen oder mehr Übungen bedeuten nicht automatisch bessere Ergebnisse. Oft ist die Qualität entscheidender als die Quantität. Genau darum ging es auch in meinem Artikel „Qualität statt Quantität im Training“.
Die erfolgreichsten Athleten der Welt haben Trainer. Nicht weil sie nichts wissen, sondern weil sie verstanden haben, dass man niemals auslernt.
Die wichtigste Frage im Training
Deshalb lautet die wichtigste Frage im Training auch nicht:
„Mache ich das schon lange?“
Sondern:
„Bringt mich das meinem Ziel näher?“
Wenn die Antwort Ja lautet, dann passt der Weg vielleicht. Wenn die Antwort Nein lautet, sollte man bereit sein, etwas zu verändern.
Denn Fortschritt beginnt selten dort, wo wir Recht haben. Fortschritt beginnt meistens dort, wo wir bereit sind, noch einmal hinzuschauen.
Langfristiger Erfolg entsteht selten durch Motivation allein. Er entsteht durch die Bereitschaft, Gewohnheiten regelmäßig zu hinterfragen und anzupassen. Auch darüber habe ich bereits im Artikel „Motivation ist nicht genug“ geschrieben.
Mein Fazit
„Das habe ich immer schon so gemacht.“ ist nicht automatisch falsch.
Aber es ist auch kein Qualitätsmerkmal.
Die entscheidende Frage lautet:
Warum machst du es so?
Wer diese Frage beantworten kann, hat meist einen guten Grund für sein Training.
Wer sie nicht beantworten kann, sollte vielleicht beginnen, neugierig zu werden.
Denn im Training wie im Leben gilt:
Nicht der Mensch macht die größten Fortschritte, der alles weiß. Sondern derjenige, der bereit bleibt, dazuzulernen.
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Dieser Artikel ist Teil meiner wachsenden Wissensdatenbank rund um Training, Ernährung, Gesundheit und langfristige Veränderung.
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