Wenn es um Krafttraining geht, höre ich seit Jahren dieselben Aussagen:
„Ich bin eine Frau, ich habe nicht so viel Kraft.“
„Ich möchte nur ein bisschen straffer werden.“
„Ich will auf keinen Fall zu viele Muskeln bekommen.“
Und irgendwo steht sie dann noch immer herum:
Die berühmte rosa 2-kg-Hantel.
Als würde Krafttraining für Frauen aus ein bisschen Wedeln mit leichten Gewichten bestehen.
Die Realität sieht anders aus.
Denn wenn Frauen einmal beginnen, richtig zu trainieren, wird aus der rosa 2-kg-Kurzhantel oft schneller eine rote 25-kg-Hantelscheibe, als viele glauben.
Frauen sind stärker als sie denken
Eines der größten Missverständnisse im Krafttraining ist die Vorstellung, Frauen hätten grundsätzlich viel weniger Kraft als Männer.
Ja, Männer besitzen durch ihre Hormonlage oft Vorteile beim Muskelaufbau und bei der absoluten Kraftentwicklung.
Aber daraus zu schließen, Frauen seien schwach, ist schlicht falsch.
In meiner Arbeit als Trainer erlebe ich regelmäßig Frauen, die sich anfangs kaum zutrauen, eine Hantel anzufassen.
Ein paar Monate später bewegen sie Gewichte, die sie früher für unmöglich gehalten hätten.
Nicht weil sie plötzlich zu anderen Menschen geworden sind.
Sondern weil sie erkannt haben, was tatsächlich in ihnen steckt.
Das eigentliche Problem
Viele Frauen werden nicht unterfordert, weil sie schwach sind.
Sie werden unterfordert, weil ihnen oft jahrelang vermittelt wurde, dass sie schwach sein müssten.
Leichte Gewichte.
Hohe Wiederholungszahlen.
Möglichst wenig Anstrengung.
Hauptsache nicht zu schwer.
Dabei entstehen Fortschritte genau dann, wenn der Körper einen echten Trainingsreiz bekommt.
Muskeln unterscheiden nicht zwischen Männern und Frauen.
Sie reagieren auf Belastung.
Trotzdem sind Frauen keine kleinen Männer
Und genau hier wird es spannend.
Denn obwohl Frauen oft deutlich stärker sind, als sie glauben, bedeutet das nicht, dass man sie einfach genauso trainieren sollte wie Männer.
Viele Trainer machen genau diesen Fehler.
Trainingsplan kopieren.
Gewichte anpassen.
Fertig.
Doch so einfach ist es nicht.
Frauen bringen häufig andere Voraussetzungen mit.
Nicht unbedingt im Muskel.
Sondern im Alltag.
Der Rucksack, den viele Frauen tragen
Viele meiner Kundinnen arbeiten Vollzeit.
Kümmern sich um Kinder.
Organisieren den Haushalt.
Denken an Geburtstage, Arzttermine, Einkäufe und tausend Dinge, die oft niemand sieht.
Dazu kommen Faktoren wie:
- Menstruationszyklus
- Wechseljahre
- Schlafmangel
- Stress
- Schwangerschaften oder deren Folgen
- emotionale Belastungen
Das bedeutet nicht, dass Frauen weniger belastbar sind.
Es bedeutet nur, dass viele Frauen bereits mit einem deutlich volleren Rucksack ins Training kommen.
Und dieser Rucksack zeigt sich oft in ganz kleinen Situationen.
Eine Beobachtung, die ich in den letzten Jahren immer wieder gemacht habe:
Ist die Frau krank, kommt der Mann häufig trotzdem zum Coaching oder Training.
Ist der Mann krank, bleibt die Frau dagegen oft ebenfalls zuhause.
Nicht weil sie nicht trainieren könnte.
Sondern weil viele Frauen sich automatisch mitverantwortlich fühlen. Für den Partner, die Familie, die Kinder oder einfach für das Funktionieren des Alltags.
Sie stellen ihre eigenen Bedürfnisse oft hinten an.
Genau deshalb ist Krafttraining für viele Frauen weit mehr als Muskelaufbau.
Es ist oft einer der wenigen Termine in der Woche, der nur ihnen selbst gehört.
Zyklus, Wechseljahre und andere Dinge, die man nicht ignorieren sollte
Ein weiterer Fehler vieler Trainingspläne ist die Annahme, dass jede Woche gleich aussieht.
Bei Männern ist das oft näher an der Realität.
Bei Frauen nicht unbedingt.
Der Menstruationszyklus kann Einfluss auf Energie, Schlaf, Leistungsfähigkeit, Regeneration und sogar die Motivation haben.
Dazu kommen bei vielen Frauen irgendwann die Wechseljahre.
Plötzlich verändert sich der Schlaf.
Die Regeneration wird schlechter.
Der Muskelaufbau wird schwieriger.
Das Körpergewicht verhält sich anders als früher.
Wer diese Dinge ignoriert und einfach nur fordert, ohne zuzuhören, wird viele Frauen unnötig frustrieren.
Frauen brauchen kein leichteres Training
Frauen brauchen kein Schonprogramm.
Sie brauchen keine rosa Hanteln.
Und sie brauchen ganz sicher kein Training, das sie permanent unterfordert.
Was sie brauchen, ist intelligentes Training.
Training, das fordert, aber nicht überfordert.
Training, das Fortschritte ermöglicht.
Training, das zum echten Leben passt.
Denn eine Mutter mit zwei Kindern, Vollzeitjob und vier Stunden Schlaf hat andere Voraussetzungen als ein 25-jähriger Student mit perfektem Tagesablauf.
Das bedeutet nicht, dass sie weniger erreichen kann.
Es bedeutet nur, dass der Weg dorthin anders aussehen kann.
Mein Fazit
Frauen sind keine kleinen Männer.
Aber sie sind auch nicht aus Porzellan.
Sie können stark werden.
Sehr stark sogar.
Die Aufgabe eines guten Coaches besteht nicht darin, Frauen zu bremsen.
Sondern ihnen zu zeigen, was möglich ist – und gleichzeitig die individuellen Herausforderungen ihres Alltags zu berücksichtigen.
Denn Frauen brauchen kein leichteres Training.
Aber oft ein intelligenteres.
Und genau deshalb wird aus der rosa 2-kg-Hantel oft schneller eine rote 25-kg-Hantelscheibe, als viele glauben.
Franz Papouschek
Newgen
Training mit Verstand, Struktur und Haltung.





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